"And without him all this killing can't go on" - Depeche Mode und ihre aktuelle Antikriegshymne
Um das Thema Benefiz und Wohltätigkeit wurde bei Depeche Mode bisher nie größere PR gemacht, wohldem sie sich stets karitativ engagierten.
Es ist zwar auf den ersten Blick immer einige Skepsis geboten, wenn sich Popmillionäre mit dem Hunger in Afrika befassen, aber Depeche Mode spielen auch hier klar in einer anderen Liga. Vorallem tun sie dies mit äußerst wenig Bohei, wie man auf den letzten beiden Tourneen mit den kurzen und knappen Einspielern für "Charity Water" oder "Ocean Cleanup" deutlich sehen konnte.
Erster verbriefter Benefiz der Band war die Teilnahme am Konzert "SOS Racisme" in Paris 1987. Auch wenn es "nur" ein Playbackauftritt ist, Statements von Künstlern aller Art zu gesellschaftlichen Themen waren bereits damals wichtig und sind es bis heute.
Bekanntestes Beispiel für ihr soziales Engagement, bleibt das Konzert zugunsten des "Teenage Cancer Trust" 2010 in der Royal Albert Hall. Familie Fletcher, die sich seit Jahren in dieser Organisation stark engagiert, hatte dazu gar den seit fünfzehn Jahren aus der Band ausgeschiedenen Alan Wilder eingeladen. Der eine oder andere Fan erinnert sich vielleicht noch daran.
Musikalisch gesehen, blieb es bei den Jungs beim Thema Mildtätigkeit bisher recht still, wobei sie sich zumindest auf "Construction Time Again" als gesellschaftlich äußerst achtsam präsentierten. Erst Jahre später zog mit "Spirit" wieder ein woker Geist zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit und der Unterstützung Schwächerer ein.
Bisher einzige verbriefte Audioaufnahme zu karitativen Zwecken ist das Cover des (Nicht)Songs "4'33" von John Cage, dem man auf dem gleichnamigen Sampler "Stumm 433" lauschen kann, und zwar mitten unter insgesamt 58 weiteren Coverversionen dieses sperrigen Werks.
Die Erlöse dieser schicken, mit Kerzen, Handschuhen und einem von Daniel Miller persönlich unterzeichneten Echtheitszertifikat ausgestatteten 5-LP-Box gingen an die British Tinnitus Association und an die Hilfsorganisation Music Minds Matter. Die der CD übrigens auch.
So ganz nebenbei gaben uns höchsten Martins Shirts immer mal ein paar Hinweise auf sein persönliches karitatives Engagement. Da Martin generell sehr kreative und meist etwas augenzwinkernde Shirts trägt, fiel es vielen auf Anhieb gar nicht auf. Selbst mit einem so simplen Statement wie "Science. It works, bitches." schafft er es, sich intelligent, subtil und hintersinnig gegen frühkindliche, religiös geprägte Indoktrination einzusetzen. Man google dazu nach Richard Dawkins.
Fast die ganze "Delta Machine Tour" über, trug er ein Shirt der Initiative "Free Paco Now", die sich für die Freilassung des zu Unrecht unter Mordanklage stehenden Paco Larranaga einsetzte. Sie blieb bis heute sein offensichtlichstes Statement, da er dieses Shirt jeden Abend auf der Bühne auftrug.
Vorrangig in diversen Social Media Posts konnten wir einen Blick auf seine anderen Befizshirts werfen. So begegnet uns Martin unter anderem mit den auf seiner Brust prangenden Initiativen "Save Melissa Lucio", zugunsten einer Frau die vierzehn Jahre unschuldig in der Todeszelle saß, oder "Free Pervis Payne", der trotz seiner geistigen Behinderung ganze 33 Jahre ohne Schuldbeweis im Todestrakt verbringen musste.
Alle diese Initiativen gedeihen unter dem Schirm der Dachorganisation "Innocence Project", mit deren Shirt er auf der letzten Tour meist im Backstage warb.
Zugunsten von "Children In Conflict" versteigerten die Herren Martin und Dave signierte Shirts und bewiesen damit ihr Engagement für Kinderrechte, um nur wenig später prominent auf die teils prekäre rechtliche Situation von Frauen aufmerksam zu machen.
Familiär unterstützen Martin und seine Frau Kerrilee aktiv das Tierschutzprojekt des "Celia Hammond Animal Trust". Sie adoptierten darüber ihre Goldendoodle-Hündin "Hedy" und sind seither "Hopelessly Devoted", wie Martin in ihrer Adoptionsurkunde bemerkt.
Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, benötigen meist unseren besonderen Schutz. Zusammen mit Sohn Kalo engagieren sich die Gores massiv bei "Shelter Box", die Notunterkünfte und überlebenswichtige Hilfsgüter für Flüchtlinge und Menschen in Krisenregionen bereitstellen.
Nun hämmern sie uns mit ihrem brandaktuellen Song Kinder in Kriegsgebieten ins Bewusstsein. Das Thema könnte aktueller kaum sein.
Depeche Modes "Universal Soldier" ist einer von 23 Songs des brandneuen Longplayers der weltweit agierenden britischen Hilfsorganisation "Warchild". Der erste Sampler zugunsten dieser NGO erschien bereits 1995 mit so namhaften, damals frisch aufstrebenden Künstlern, wie Oasis, Manic Street Preachers, Radiohead, Massive Attack oder The Stone Roses.
Seither erscheinen in regelmäßigen Abständen Platten, die den Unterstützungsgedanken bereits im Namen tragen. "Help", "Hope" oder "War Child Heroes" nennen sie sich. Eine Best-Of aus den vielen Compilations nannte sich dann "From Help To Heroes". Über die Jahre entwickelte sich die Benefizreihe von orginären Tracks der Künstler, hin zur Präsentation von Coverversionen, die exklusiv zugunsten dieser Organisation aufgenommen werden .
Laut ihrer Website ist die Hauptaufgabe von "Warchild" der Schutz, die Bildung und das psychische Wohlbefinden von Kindern in und aus Kriegs- und Krisengebieten. Eines der wichtigsten Ziele ist dabei, den Kindern zu helfen, das Erlebte zu bewältigen, ihnen Unterstützung zu geben, die Widerstandskraft der Kinder zu stärken und ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Nun erscheint die zweite Ausgabe von "Help" mit dem naheliegenden Titel "Help²", was uns nahezu automatisch an Martins "Counterfeit"/"Counterfeit²"-Plattendouble erinnert. Erneut ist die Doppel-LP gespickt mit Newcomern und ein paar verkaufsfördernden Schwergewichten.
Depeche Mode haben sich für ihren Beitrag einem wahren Klassiker des Protestsongs angenommen:
He's five feet two, and he's six feet four
He fights with missiles and with spears
He's all of thirty-one, and he's only seventeen
He's been a soldier for a thousand years
He's a Catholic, a Hindu, an Atheist, a Jain
A Buddhist, and a Baptist, and a Jew
And he knows he shouldn't kill, and he knows he always will
Kill you for me, my friend, and me for you
And he's fighting for Canada, he's fighting for France
He's fighting for the USA
And he's fighting for the Russians, and he's fighting for Japan
And he thinks we'll put an end to war this way
And he's fighting for democracy, he's fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide who's to live and who's to die
And he never sees the writing on the wall
But without him, how would Hitler have condemned him at Dachau?
Without him, Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body as a weapon of the war
And without him all this killing can't go on
He's the universal soldier, and he really is to blame
His orders come from far away, no more
They come from him, and you, and me and, brothers, can't you see?
This is not the way we put an end to war
Die Geschichte von "Universal Soldier" geht zurück auf die Kanadierin Buffy Sainte-Marie, die diesen Song geschrieben hat, als die ersten Verwundeten aus Vietnam am Flughafen Los Angeles ankamen, obwohl die USA zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht offiziell in den Krieg engetreten war.
Die in Europa weniger bekannte Sainte-Marie komponierte unter anderem auch den Titelsong "Up Where We Belong" zum Film "Ein Offizier und Gentleman".
Sie veröffentlichte ihren eigenen "Universal Soldier" allerdings erst ein paar Monate später als die damals schwer angesagten "Highwaymen". Nicht verwechseln sollte man sie mit den späteren "Highwaymen", bei denen in den 90ern die Countrylegenden Willie Nelson und Johnny Cash gemeinsam in einer Band spielten.
Weltweit am bekannstesten, dürfte "Universal Soldier" in der Version von Donovan sein. Ein britischer Superstar, den man unter anderem für seinen Hit "Mellow Yellow" kennt. Im Text des Schotten wurde der Ort des Konzentrationslagers Dachau zu Liebau abgeändert, wo sich ein Ausbildungszentrum für die Hitlerjugend befand.
Etwa zeitgleich veröffentlichte der Kanadier Glen Campbell ("Rhinestone Cowboy") seine nordamerikanische Interpretation.
Der US-amerikanische Sänger Lobo ("I'd Love You To Want Me") versuchte sich dann in den 70ern an seinem "Universal Soldier".
Selbst zwei deutsche Versionen gibt es davon. Die erste stammt von Juliane Werding ("Am Tag Als Conny Kramer Starb"). Sie lehnt sich textlich sehr ans Original an und nennt ihre Interpretation "Der Ewige Soldat".
Aus der immer etwas scharfzüngigen Feder von Bettina Wegner ("Sind so kleine Hände") folgte etwas später die wesentlich harschere und textlich deutlich abgewandelte Übersetzung "Soldaten (Die Mahnung an der Wand)".
Selbst nach der Jahrtausenwende drückten Künstler ihren individuellen politischen Standpunkt mit Variationen dieses Songs aus.
Der englische Songwriter Jake Bugg ("Two Fingers") nimmt beim Auftaktkonzert zur Kampagne "ONE's Agit8" kein Blatt vor den Mund und widmet seine Interpretation der Non-Government Organisation "ONE.org", die sich unter anderem für stärkere Investitionen und eine gerechtere Gesetzgebung in Afrika einsetzt. Das "Agit8"-Konzert richtete sich an die Teilnehmenden des G8-Gipfels in Dublin im Jahre 2013.
Zwei Jahre früher kredenzten uns die schwedischen Damen von First Aid Kit ("The Lion's Roar") mit prominenter Unterstützung durch Jack Whites Label "Third Man Records" eine sehr reduzierte, akustische Version von "Universal Soldier". Sie hielten sich dabei stark ans Original von Buffy Sainte-Marie.
Die Version unserer Jungs ist nun die überfällige Neuaufnahme des aktuellen Jahrzehnts. Sie passt sich wunderbar ins Gesamtbild der Platte ein und steht mit ihrer unmissverständlichen und universellen Botschaft stellvertretend als Gegenpol zur tagaktuellen Politik.
Sie besticht erneut mit ihrem tiefgreifenden Text gegen feudales Denken und imperialistische Machtbestrebungen. In seinem nahezu pazifistischen Ansatz ist das von Dave intonierte Chanson säkular religionsfrei und klagt alle Machthaber kriegsführender Parteien an. Gleichzeitig zeigt es dem "Universalsoldaten" die eigene Verantwortung über sein Tun auf, obwohl er im Auftrag seiner Herrschenden vermeintlich in gutem Glauben für das Bessere kämpft.
Depeche Mode widmen sich damit einem Thema, was in Anbetracht weltweiter aktueller Entwicklungen gerade Millionen Menschen bewegt. Auf dem diesjährigen Sampler drücken weitere Schwergewichte vom Kaliber der Arctic Monkeys, Pulp, Beth Gibbons oder den Mitgliedern von Blur ihre Unterstützung aus. Dazu kommen bekanntere und jüngere Künstler aus der zweiten Reihe, wie Black Country/New Road, Arlo Parks, Fountains DC, Bat For Lashes oder die Young Fathers.
Wirklich alle Einnahmen aus diesem Album unterstützen "Warchild UK" beim Schutz, der Aufklärung und dem Eintreten für die Rechte von Kindern, die in Konfliktgebieten leben. Denn, so ihr Untertitel, "No child should be part of war. Ever."
Produziert wurde die Scheibe von keinem Geringeren als James Ford, der natürlich auch für die beiden letzten Depeche Mode Alben verantwortlich zeichnet.
Definitiv ist der Song ein starkes Statement der Band, und falls ihr künftig Lust habt, selbst etwas Mildtätigkeit und Barmherzigkeit walten zu lassen, auch in Deutschland gibt es genügend Angebote für karitatives Engagement, die gern eure Hilfe annehmen...
(stx)
Wenn ihr auf den grünen Text drückt, passiert jedes Mal etwas Wunderbares! Wir haben euch alle genannten karitativen Organisationen und die Hits zur Beschreibung der Künstler verlinkt.
Anregungen und Hinweise gern an: dmfc.hopesandfears@gmail.com oder nutzt gern das unten stehende Kontaktformular.
Wir geben auch Interviews und Autogramme! Please get in contact!
Fotos/Videos: Warchild UK, Mike Steinbach, div. Facebook, Celia Hammond Animal Trust, Martin L. Gore on Facebook, YouTube, Montecito Journal








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