"Let Me Take You On A Trip..." - auf den Spuren unserer Depeche Mode Pilgerkarte, Teil 5: Prag
Menschenmassen stehen dichtgedrängt auf der Prager Karlsbrücke. Sie haben keinen Sinn für die Maler, die Karikaturisten oder die Schmuckverkäufer. Nicht mal der umwerfende Blick hoch zur Prager Burg interessiert sie.
Sie warten. Nicht etwa für eine besonders tolle Aussicht, einen leckeren tschechischen Baumstrietzel, oder die Chance, die unendliches Glück und ewige Gesundheit verheißende Bronzeplatte des Heiligen Nepomuk zu berühren. Nein! Sie warten nur auf die simple Gelegenheit, ein Foto zu machen.
Und sie warten geduldig! Sind sie endlich an der Reihe, stellen sich die Wartenden neben eine der ergrauten Statuen auf der Brücke. Das so entehende Foto wirkt nicht mal sonderlich spektakulär, eher ein bisschen romatisch. Eine Person blickt in die Kamera, die andere kehrt uns den Rücken zu. Das Kreuz über ihren Köpfen verleiht der Szenerie einen sakralen Touch.
Unterhalb des Kreuzes stützt Maria von Nazareth den Kopf ihres toten Sohnes in voller patinierter Schönheit. Seine einstige Weggefährtin Maria Magdalena küsst weinend seine Hand. Die Szenerie wirkt beinah wie ein Schrein.
Im Hintergrund plätschert die Moldau über das Kampa-Wehr.
Glaubt man den Newsseiten der internationalen Lifestylepresse, ist dieser Schnappschuss auf der Karlsbrücke mittlerweile der coolste Move, den man als neuzeitlicher Prag-Touri machen kann.
Aber wissen die Meisten überhaupt, was sie da fotografieren? Wo kommt der ganze Hype her? Und lohnt sich die Warterei überhaupt?
Der schnittig-sakrale Motiv flugs beim obligatorischen Touristenwalk über die berühmte Brücke nachzustellen, hat die Depeche Mode Blase schon länger verlassen, gerät derzeit zum weltweiten Spektakel und ob der Menschenmassen auf der Brücke gern schon mal zum Geduldsspiel.
Warum es gerade dieser Tage so vehement trended, weiß keiner. Um die Band selbst, ist es derzeit sogar ungewöhnlich ruhig.
Gespeist wird dieser seltsame Tik-Tok-Trend von einer sehr alten Fotoserie Anton Corbijns. Vor etlichen Jahren setzte er als damaliger Haus- und Hoffotograf die Band Depeche Mode mit seinem unvergleichlichen Coolnessstil auf der ollen Brücke bildwirksam in Szene.
Fälschlicherweise wird sie vom unbedarften Laien beim Thema Depechistischer Modologie immer mit dem Konzert im März 1988 in der Prager Sporthalle in Verbindung gebracht. Aber im Zuge einer solchen Tour, hätten sie für ein derartiges Mammutshooting gar nicht die Zeit gehabt.
Die komplette Serie erschien 1990 in einem ziemlich spektakulären Bildband namens "Strangers" beim Verlag Omnibus Press und danach kleckerweise in verschiedenen weiteren Büchern Corbijns. In unserer Facebookgruppe haben wir es tatsächlich auch schon besprochen. Wer damals nicht sofort zuschlagen konnte, derzeit werden dafür ziemlich astronomische Summen aufgerufen.
Nun ist die tschechische Hauptstadt Prag nicht erst cool, seit dereinst ein paar Popstarjüngelchen über die Karlsbrücke stolzierten. Schon weit hinter dem dicht geschlossenen Eisernen Vorhang, war Prag für Artists aus aller Welt Schauplatz für allerhand mystisch-sepiafarbene Selbstreferenzierung.
Neben den auch bis in die DDR bekannten Kinderserien inmitten der Gassen der Stadt, wie "Pan Tau" oder "Luzie, der Schrecken der Straße", zog es besonders nach dem fulminanten Erfolg von Milos Formans Kinoepos "Amadeus" scharenweise westliche Künstler in die langsam vor sich hin rostende Metropole des real existierenden Sozialismus.
Bekanntestes Beispiel sind die Australier INXS, die sich 1987 zu "Never Tear Us Apart" völlig schmerzbefreit Saxonphon spielend über den Alten Jüdischen Friedhof schmachteten. Davon gibt es übrigens auch ein sehenswertes Behind The Scenes Video.
Nach der "Samtenen Revolution", wie man die Wende in Tschechien nennt, wurde es sogar noch cooler. Kaum war der eiserne Vorhang gefallen, rockte auf persönliche Einladung durch Staatspräsident Vaclav Havel niemand Geringeres als die "Rolling Stones" die Stadt. Ihr Konzert der "Urban Jungle Tour" vor 100.000 Leuten in einem wirklich riesigen, für sozialistische Turn- und Sportfeste gebauten Stadion, wird bis heute von den Tschechen ehrfürchtig als "Zweite Revolution" bezeichnet.
Sogar wir können uns noch lebhaft erinnern, als wir nur fünf Jahre später an gleicher Stelle im nicht nur optisch baufälligen Strahov-Stadion, auf der legendären "Voodoo Lounge Tour" diese steinalten Herren genossen, und über 130.000 durstige Besucher das ach so berühmte tschechische Bier leer tranken. Mick Jagger war damals übrigens schon biblische 52 Jahre alt.
Nach dem Fall des eisernen Vorhangs wurde Prag zur regelrechten Boomstadt des modernen Musikfernsehens. Etliche erfolgreiche Musikvideos wurden hier gedreht, darunter Human Leagues Hit "Tell Me When", oder der Editors-Burner "Smokers Outside The Hospital Doors". Geri Halliwell telefonierte für "Look At Me" in diversen Telefonzellen im Prager Hauptbahnhof und tanzte die Stufen hoch zur Burg.
Linkin Park bemühten bei "From The Inside" gar die Ereignisse des Prager Frühlings an ihren Originalschauplätzen, wo Schreihals Chester nicht nur äußerlich mit seinen Dämonen kämpft. Bei der Hitsingle "Numb" zitieren die bekennenden Depeche Mode Fans noch deutlicher die ganzen Depeche Mode Pilgerstätten der Stadt, die Anton wiederum geschickt bei INXS abgeschaut und dabei wohl glatt die beiden jüdischen Friedhöfe der Stadt verwechselt hat.
Dazu kommen etliche Hollywood Blockbuster, wie "Casino Royale" oder "Spider Man - Far From Home", dazu die Musicalverfilmung "Les Miserables". Im Film "Die Bourne Identität" zeigt uns Prag das, was im Film eigentlich Zürich sein soll. Besonders düster macht sich die verwinkelte Altstadt im Vampirschocker "Van Helsing" und dem Johnny Depp Klassiker "From Hell". Just to name the namest! Die Filmreihe "Mission Impossible" (sic!) hat ja allein schon durch ihren Namen einen direkten Bezug zu Depeche Mode.
Selbst für solche filmischen Pilgerstätten gibt es allerhand Referenzen im Internet, und es gibt mindestens genauso viele positiv bekloppte Fans, wie uns, die dann auch noch dort hin rammeln, um diese eine Szene oder das eine Bild nachzustellen.
Als die Jungs von Depeche Mode im Herbst 1988 recht unverhofft in der Stadt waren, wusste die tschechische Tageszeitung "Junge Front" exklusiv Folgendes zu berichten:
„Depeche Mode sind in Prag ...“ - diese Nachricht verbreitete sich Anfang Oktober wie ein Lauffeuer in der Hauptstadt, scheinbar nur Minuten nach der Landung ihres Flugzeugs auf dem Flughafen Ruzyně. Und es stimmte tatsächlich. Diesmal waren sie als Touristen angereist. Sie wollten durch die Altstadt und die Kleinseite schlendern, die wunderschöne Architektur und die Statuen bewundern und das Leben der Einheimischen beobachten. Daher baten sie das Personal des Hotels Forum - wo sie logierten -, ihren Besuch streng vertraulich zu behandeln. Obwohl sich die Hotelmitarbeiter bemühten, diesem Wunsch nachzukommen, gelang ihnen das nicht ganz. Herbert Slavík, ein Fotograf der Zeitung *Mladá fronta*, bekam Wind von dem Besuch; er setzte sich in die Lobby, wappnete sich mit Geduld und wartete. Während des Wartens kam ihm eine Idee: Er holte eine Kollegin und deren Kinder zur Verstärkung dazu. Der Einfall zahlte sich aus. Zwei Bandmitglieder - Andy Fletcher (auf dem Foto links) und Martin Gore - willigten ein, sich mit den Kindern fotografieren zu lassen; sie unterschrieben sogar die Autogrammbücher der Kinder sowie die Quittung des Fotografen. Anschließend machten sich die Mitglieder von Depeche Mode zu Fuß auf den Weg zur Prager Burg. In der Nerudova-Straße weckte der Name einer Weinbar -*U čerta* („Zum Teufel“) - ihre Neugier. Sie statteten ihr einen Besuch ab, und wir können verraten, dass zwei von ihnen ein gut gebratenes Steak bestellten. Die beiden anderen - Vegetarier - wollten sich zunächst mit einem Schopska-Salat begnügen, ließen sich dann aber doch unsere typisch tschechischen Kartoffelpuffer schmecken. Natürlich erkannten Fans ihrer Musik die Bandmitglieder, während diese durch Prag streiften. Sie ergatterten Autogramme und das Versprechen, dass die Band im nächsten Jahr in die Stadt zurückkehren würde, die ihr so ans Herz gewachsen war. Doch was Sie wahrscheinlich am meisten interessiert: Wann werden sie hier wieder auftreten? Sie haben vorläufig zugesagt, in anderthalb Jahren wiederzukommen.
Wiedergekommen sind sie aber erst 1993. Als die Herren beliebten, livehaftig in der Stadt zu spielen, taten sie dies in den letzten Jahrzehnten meistens in der "O2-Arena". Nur auf der "Memento Mori Tour" wechselten sie für das Sommerkonzert erstmals auf den erheblich größeren Letňany Flugplatz.
Wenn es früher Stadion sein musste, bespielten sie zur "Devotional Tour" die Heimspielstätte vom Fußballverein "Sparta Praha", danach bevorzugten sie das südöstlich des Stadtzentrums gelegene Stadion von "Slavia Praha". Trotz der dauernd wechselnden Stadionnamen, blieb dies immer das modernere Rund mit den roten Sitzen und dem Hotel unter der Tribüne.
Begonnen hat alles einst in der Prager "Sporthalle", mit dem denkwürdigen Konzert im März 1988. Dorthin kamen sie nur noch einmal zur "Singles Tour 86-98" und zur "Exciter Tour" zurück. Danach verirrte sich höchstens nochmal Dave mit seinen Paper Monsters in die speckige Eishockeyhütte.
Seit letztem Jahr kann man über das bahnbrechende Konzert im März 1988 sogar ein wirklich liebevoll erstelltes Fanbuch erwerben. Auch wenn es auf Tschechich geschrieben ist, lohnt es sich schon allein wegen der Bilder. Gegenüber allen bisher kursierenden Informationen über die damaligen Konzerte im Ostblock, ist dieses hübsch und stilecht gebundene Druckerzeugnis ein wahrer Augenöffner. Im Rahmen der liebevollen Buchbesprechungen in unserer Facebookgruppe hatten wir uns dem dicken Schmöker natürlich auch schon gewidmet.
Nach der "Samtenen Revolution" hat man im Umfeld von Depeches früherer Plattenfirma "Mute Records" den tschechischen Schallplattenmarkt tasächlich als so wichtig eingeschätzt, dass Daniel im Prager Vorort Petřiny von 1992 bis 2006 eine Dependance des Mute-Headquarters betrieb.
Trotz aller Abschottung konnte man über die Jahre auch Glück haben, den Herren tatsächlich in der Stadt mal über den Weg zu laufen. So wie es den netten Fans hier beim "Strangers"-Shooting gelungen ist. Wir stehen hier halt leider alleine an dieser einen Stelle.
Mittlerweile legendär ist in Fankreisen Daves pikiertes Gehabe, als er von vermeintlichen Fans im Februar 2024 mehr oder weniger durch die Stadt gejagt wurde, obwohl er eigentlich nur eine gemütliche Runde spazieren wollte. Selbst sein Security war hier machtlos gegenüber der aufgestachelten Fanmeute.
Wer den Stars dermaßen auf die Pelle rückt, braucht sich hernach jedoch nicht wundern, wenn diese dann auch sonst nicht mehr sehr kooperativ sind und das eine oder andere Autogramm vorm Hoteleingang schon mal brüsk verweigern! Bei hartnäckigem, aufdringlichem Fandom, sind die Osteuropäer ja sowieso Europameister und damit irgendwie unsere hiesigen heißblütigen Südamerikaner.Unmittelbar vor der üblen Hetzjagd, kam unser Dave vom gemütlichen Kaffeeschlürfen. Auf den Socials von Klaus Børringbo konnte man bewundern, dass er Dave tasächlich mise en place erwischt hatte. Natürlich haben wir auf diesem heiligen Stuhl in der Kavárna Malostranská auch schon Probe gesessen.
Wesentlich freundlicher war Martin am gleichen Tag mit seinen Verfolgern. Vor dem "Divadlo Broadway" auf der noblen Prager Einkaufsmeile Na Přikopé erwischten Fans ihn gemütlich lachend mit prall gefüllter Shoppingtüte. Was er wohl da drin gehabt hat? Wir waren leider erst einen Tag später zur Stelle.
Selbst für die britische Rapperbohéme aus dem weiten Umfeld von Depeche Mode, wurde Prag Mitte des letzten Jahrzehnts tatsächlich zum verlockenden Rückzugsort. Der einst als "Bomb The Bass" bekannte DJ, Mixer und Produzent Tim Simenon kehrte der Musik endgültig den Rücken und ließ sich mit einer Hackfleischbällchenbude namens "Brixton Balls" in der Prager Neustadt nieder. Später switchte er um auf "Hoxton Burger", steht aber für einen netten Plausch in seinem Restaurant immer offen und freundlich zur Verfügung. Wenn er denn da ist. Vor seiner legendären Ultra-Wall sollen Fans schon niedergekniet sein, sagt man.
Bereits zu Zeiten der "Exciter-Tour" schlenderten Dave und der Baron gemütlich entlang des Ufers der einst von Bedrich Smetana ohrenschmeichlerich vertonten Moldau.
Andy war im Jahr zuvor auch privat in Prag und wurde dort von der langjährigen BONG-Redakteurin und Depeche Mode Fanclub-Chefin Michaela Olexova herumgeführt und abgelichtet.
Neben dem BONG, fand man diese Bilder später auch in Michaelas sehr persönlichen, fotografischen Erinnerungsalbum "DREAM".Aufgenommen wurden sowohl die Bilder von Dave und Jonathan, als auch von Andy um die Karlsbrücke herum. Wenn ihr also beim nächsten Mal das berühmte Bild an der Pietà-Statue macht, schlendert einfach die paar Meter weiter zum Altstädter Brückenturm, dann weiter zur unverfehlbaren Matrjoschka-Bude in der Karlova. Wenn man hoch zur astronomischen Uhr läuft, kommt man nahezu von allein daran vorbei. Solltest ihr in die andere Richtung laufen, dann geht einfach zum Café Márnice auf der Kleinseite und seht euch um. Diese Plätze sind wirklich leicht zu finden.
Als Andy 2007 seine DJ-Tour machte, gab es leider keine Aufnahmen aus der Stadt. Dafür gibt es eine Website, die Fotos von Rock-DJ Andy bei seinem Gig im Prager "Club Abaton" zeigen soll.
Aber was ist nun mit "Strangers"?
Depeche Mode verirrten sich also in dem Jahr, in dem sie mit ihrem Tourtross hinter den eisernen Vorhang kamen, im Herbst gleich nochmal nach Prag.
Glaubt man dem Buch "Depeche Mode Praha 1988", haben sie um das Konzert herum von der Stadt wirklich kaum etwas gesehen, außer die paar Minuten vom Flughafen zur Halle, von der Halle zum Hotel und am anderen Tag wieder zurück zum Flughafen. Damals spielten sie noch back to back jeden Abend in einer anderen Stadt. Ursprünglich sollten sie danach direkt nach Moskau weiterfliegen. Da das Konzert aber nicht stattfand, ging es nur flugs hinüber nach Wien.
Die sozialistische Prachtsraße hinauf zum Flughafen, die damals noch "Leninová" hieß und sich heute "Evropská" nennt, kann mit ihrer unvergleichlich realsozialistisch-urbanen Athmosphäre wirklich nicht den Ausschlag für die Rückkehr gegeben haben. Und doch waren später alle verliebt in diese Stadt. Und mal ehrlich, sind wir das nicht alle bis heute?
Wir beginnen unsere "Strangers"-Tour also am Prager Hauptbahnhof. Wenn ihr mit dem Eurocity von Dresden aus anreist, könnt ihr direkt vorm Bahnhof schon die allerersten Depeche Mode Pilgeraufnahmen machen. Just auf der Straßenebene des Vorplatzes hat Dave damals fix einen Schnappschuss von Anton gemacht. Das Bild erschien später in der BONG.
Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen, denn die ganzen Pilgerplätzchen sind ziemlich breit über die Stadt verteilt. Wir beginnen am etwas weg vom Stadtzentrum gelegenen Neuen Jüdischen Friedhof. Vorher kaufen wir vor dem Tor noch ein paar hübsche Blumen. Genau wie damals Andy. Nur bei unserem letzten Besuch, war die Omi leider nicht mehr da.
Auf diesem riesigen Friedhof muss man schon eine Weile suchen, bis man alles gefunden hat.
Für Eilige gibt es am Eingang aber eine Übersicht der wichtigsten Gräber.
Die mitgebrachten Blümchen legen wir ehrfürchtig am Grab vom großen Prager Erzähler Franz Kafka ab.
Danach schlendern wir noch etwas herum, um die wildromantisch von Laub und Efeu umrankte Bank zu finden, wo Martin und Fletch ganz weltmännisch vor sich hin philosophieren. Vielleicht sogar über das Thema Verwandlung und Insekten.
Unmittelbar danach geht es mit der Straßenbahn auf die Štvanice-Insel. Die alte sozialistische Autobahnraststätte sieht mittlerweile nicht mehr besonders einladend aus und die Insignien des real existierenden Sozialismus sind natürlich verschwunden. Derzeit ist dies ein angesagter Schuppen für allerlei jugendliche Tanzmusik.
Weiter geht es mit der berühmten Tatra-Straßenbahn hinüber zur Kleinseite. Dorthin fährt übrigens die Linie 12, in der Anton damals den Martin erwischt hat. Da die Straßenbahn in Prag mittlerweile sehr modern und flink ist, haben wir dieses Foto leider noch nicht geschafft.
Nach dem Aussteigen am Kleinseiter Platz biegen wir einmal ums Eck, um die berühmte enge Straßenbahndurchfahrt an der Josefská in Augenschein zu nehmen.
Dann beginnt der beschwerliche Burgaufstieg, bei dem man sich schon mal verlaufen kann, so wie es dem tollpatschigen Andy hinauf zum Hradschin ergangen ist.
Er landete leider im Sackgassenteil der Thunovská. Wir deshalb auch. Nur hatten wir keinen Alan dabei, der auf dem rechten Weg noch linkisch über die Mauer lunst.
Oben angekommen, mussten Alan und Andy an der Statue des Heiligen Wenzel erstmal verschnaufen. Anton konnte auch hier nicht widerstehen, auf den Auslöser zu drücken. Auch wir brauchten mehrere Versuche, ob der hinauf- und hinabströmenden Menschenmassen.
Entlang der Burgmauer laufen wir zum bekannten Aussichtspunkt über die Stadt, wo sich derzeit gar ein Starbucks befindet. Wir schauen hinüber zur Altstadt und hinunter zur St. Nikolaus-Kirche, die je nach Brennweitenwahl mal groß und mal klein im Bild erscheint.
Wir bleiben weiter auf dem Burgberg und pilgern hernach zum Loreto, um zwischen allerhand Engelsfiguren die Treppenstufen zu besteigen, die Alan hier genommen hat.
Natürlich kann man auch von der Treppe aus nette Aufnahmen der Engel von hinten hinunter auf das Kopfsteinpflaster machen. So wie Anton es einst auch tat, während die Models Zigarettenpause hatten.
Von hier aus könnte man den bisher wirklich pittoresken Spaziergang hinüber zum Strahov-Kloster oder zum berühmten Stones-Stadion fortsetzen. Der leidenschaftliche Depeche Mode Pilgerer steigt hier aber über die Nerudova wieder hinab in die Stadt.
Sollte man durch den Burgabstieg dermaßen erschöpft sein, dass man Hilfe rufen müsste, die berühmte Telefonzelle existiert leider nicht mehr.
Genauso, wie das nette Schallplattengeschäft, bei dem Martin und Dave neugierig ins Schaufenster lunsen. An dieser Stelle der Malostranska gibt es jetzt leider nur noch die weltberühmten Trdelnik, die auf unseren heimischen Märkten gern als Baumstrietzel angepriesen werden.
Just nach dieser leckeren Stärkung sind wir auch schon am Ort des Geschehens angekommen. Über die Karlsbrücke schlendern wir bis fast ans östliche Ende, wo wir uns in die ellenlange Schlange an der "Pietà-Statue" einreihen. Hier heißt es, gut vorbereiten, Zeit einplanen, flink sein!
Das hier geschossene Foto wird später natürlich sozialmedial aufgewertet, und mit aufgedrehten Farben oder gleich in besonders coolem Schwarz/Weiß weiter verwertet. Also fast genauso, wie beim Original. Trotzdem wirken die selbsgebasteltgen Starshots jedes Mal aufs Neue, wie eine krude Mischung aus Gala meets Super-Illu. "Instagrammable" heißt das Zauberwort. Darunter versteht halt jeder etwas anderes.
Selbst die internationale Presse lockt mittlerweile Touristen aus Übersee an diesen Platz, die Depeche Mode höchstens noch aus einer uralten Zeitungsmeldung über einen hooliganähnlichen Riot vor einem südkalifornischen Plattengeschäft kennen dürften.
Jorge Sanchez aus Los Angeles zeigt das berühmtes Foto, als er in der Schlange wartet (Donnerstag, Sept. 24, 2026 - AP Foto/Petr David Josek)
brandonsun.com schreibt dazu: Jorge Sanchez aus Kalifornien und seine Frau gehörten zu den neuesten Besuchern. „Ich erinnere mich, das Bild schon vor Ewigkeiten gesehen zu haben, und dann fiel es mir wieder ein. Ich habe nachgeschaut und herausgefunden, dass es hier aufgenommen wurde, also wollte ich unbedingt ein Foto machen“, sagte Sanchez.„Ich denke, es passte damals gut zu ihrer Musik, ihrer Botschaft und ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus. Es passte einfach.“
Ein paar österreichische Besucher meinten: „Wir haben das auf Pinterest oder TikTok gesehen, und es ist wohl eines der bekanntesten Fotos, die man hier in Prag machen kann, deshalb wollten wir das auch machen“. Die Begleitperson ergänzt, „Ja, und uns gefällt auch die Musik. Wir finden, sie passt gut zur Atmosphäre der Stadt“
Depeche Mode als Botschafter der Goldenen Stadt und Antons Foto Inspiration für den späteren "Personal Jesus"?
Um diese besondere Athmosphäre auch richtig einzufangen, genehmigen wir uns nach der überlaufenen Brücke einen kleinen Umweg auf die ruhig gelegene Střelecký Insel. Dort kratzt Martin, inspiriert von einem Maler genau an der Stelle, wo INXS die Geigen röhren ließen, mit seinem Stöckchen im Sand und fröhnt genüsslich der beschaulischen Silhouette der Prager Altstadt.
Auf dem Weg zurück zum Hauptbahnhof passieren wir noch das ehemalige Hutgeschäft "Modelové". Der Name ist natürlich selbstredend Programm!
Bevor wir in den Zug nach Hause steigen, erkunden wir noch die heiligen Hallen des Hlavní Nádraží. Die große Karte der Tschechoslowakei, wie sich beide vereinten Staaten damals noch nannten, hängt leider nicht mehr. Genauso sind auch die Sitzmöbel im Wartebereich verschwunden. Der Platz wirkt mittlerweile stark renovierungsbedürftig.
Das von Architekt Josef Fanta im Jugendstil gebaute Enpfangsgebäude ist eines der beeidruckendsten Bauwerke der Stadt. Die mehrstöckige Schalterhalle ist zum Bahnsteig hin in ein massives Portal gefasst, an dem auch ein Dave gern herumposed. Die Perspektive des Bildes täuscht etwas, natürlich steht Dave nicht direkt unter dem Bogen, da würde er nämlich hinunterplumpsen.
Und zwar auf die Ebene, die zu den Bahnsteigen führt. Wenn man von unten heraufschaut, erkennt man deutlich die Tafel mit der Inschrift "Praga Mater Urbium". Und das die Goldene Stadt Prag wirklich die "Mutter aller Städte" ist, wer würde das nach unserer Runde überhaupt noch anzweifeln? Vielleicht ist sie ja sogar "Mater Urbium Depechae"?
Hier schließt sich nun der Kreis. Wir beenden unsere nette Depeche-Pilgerwalk-Runde, wo wir sie begonnen haben.
Und wir kommen natürlich wieder! Und das sicher nicht erst zum nächsten Depeche Mode Konzert.
Es bleibt die Hybris unserer "Religion", diese ganzen Stätten zu bewandern, zu explorieren und für die Nachwelt abzubilden.
Als #depechemodelocationstuntmen folgen wir der Maxime "Spreading The News Around The World", dieses Mal eben mitten aus dem Herzen der Goldenen Stadt.
Wer weiß, wo es uns das nächste Mal hin verschlägt?
Und so steigen wir nach diesem beeindruckenden Fotowalk beseelt und glücklich in unseren Zug nach Hause.
Ahoi Prag! Bis zur nächsten Pilgerrunde...
(stx)
Quelle Textauszüge: Junge Front/Gruppe "Czech Depeche Mode Fans" bei Facebook; https://www.brandonsun.com/entertainment/2026/10/02/depeche-mode-fans-flock-to-pragues-charles-bridge-to-recreate-1988-band-photo
Fotos: AC Strangers, BONG Magazin, Mike Steinbach, GoogleMaps, diverse Facebookgruppen, ansonsten wie angegeben
Videos: alle YouTube
Wir geben auch Autogramme, erfüllen Interviewwünsche und stehen auch für Podcasts zur Verfügung! Nachdrucke unseres legendären Fanclubmagazins "Fearing Message" können gern organsiert werden.
Solltet ihr ein rechtliches oder tatsächliches Problem mit den von uns verwendeten Fotos oder Texten feststellen, entfernen wir diese selbstverständlich umgehend. Dabei möchten wir gern nochmal erinnern, dass wir gänzlich monetarisierungsfrei arbeiten - Depeche Mode is our hobby! Aber wir gehen mit euch natürlich auch gerne mal auf einen Kaffee...
Dieser Beitrag ist komplett KI-frei, bis auf geringfügige Bildbearbeitungen und die Übersetzung des englischsprachigen und tschechischen Textes
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