"One Universal Celebration" oder auch "Immer schön AGGRO bleiben..." - Vor 20 Jahren tourten wir den Angel

Nach fünf Jahren Bandpause und einem „Beinahe-Aus“ im Jahr 2003 aufgrund Daves „Rumgezicke“, luden Depeche Mode am 16. Juni 2005 in die Düsseldorder LTU-Arena (heute Merkur-Spiel-Arena) zur Pressekonferenz. 
 

Dort wollten ein leicht übergewichtiger, aber wie auch seine Bandkumpels sichtlich gut gelaunter Martin Gore der Welt mitteilen, dass sie: „das beste Album was sie je gemacht haben!!!“ (o. Ton Andy Fletcher) fast fertig haben, und demzufolge werde die Band auch auf umfassende Welttournee gehen. 

Tatsächlich hatten die Herren Musiker noch kein fertiges Album im Gepäck, aber schon einige Informationen zur anstehenden Tour. Immerhin konnten sich die amerikanischen Fans schon einmal auf 21 Gigs freuen. Die Europatournee werde 45 Auftritte beinhalten, zehn davon in Deutschland, Auftakt am 13. Januar 2006 in Dresden. Laut Veranstalter Marek Lieberberg sollten wohl die Tickets zwischen 40 € und 45 € kosten, am Ende waren es dann doch 12 € mehr. Keine Ahnung welche Steuer da vergessen wurde?
 

Ein genauer Blick auf den Tourplan bei depechemode.com veranlasste uns zu einem tollkühnen Plan. Tourstart Dresden war klar, für einige auch der Termin im tschechischen Prag, Erfurt wäre auch noch in der Nähe und natürlich Berlin. Aber ein ganz besonderes Geschenk wartete noch auf die deutschen Fans. 
 
Nachdem im Februar 2006 West- und Südeuropa abgegrast wurden, sollte die Band Anfang März 2006 für weitere drei Gigs ins Baden-Württembergische zurückkehren. Ich meine mich zu erinnern, dass vier von den später fünf Reisenden ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken sicher waren, diese drei Gigs besuchen zu wollen. Wann erlebt man so etwas schon noch einmal, an drei Tagen hintereinander, drei Depeche Mode Konzerte!!! Und auch noch Donnerstag, Freitag und Samstag, so dass nur zwei Tage Urlaub gebraucht wurden.
 

Offensichtlich stellte es kein Problem dar, für die drei Abende bei eventim und getgo jeweils fünf Karten zu besorgen. Gesamtkosten für drei Konzerte: 178,50 €!!! Und, Achtung Spoiler, drei Mal FOS! 


Geplant wurde unser Trip nach BW natürlich von unserem Reiseleiter und Supervisor: Mike. Mit Fingerspitzengefühl und Akribie wurden von ihm Abfahrtszeiten, Routen und Unterkünfte geplant. Diese Liebe zum Detail bei der Planung von Reisen hat er sich bis heute beibehalten, Tournee für Tournee konnten wir davon profitieren. Vielen, vielen lieben Dank an dieser Stelle, für diesen unermüdlichen Dienst.

09. März 2006, Stuttgart, Hans-Martin-Schleyer-Halle
 
Am 9. März fuhren wir schließlich im verschneiten Chemnitz los. Ziel das 450 km entfernte Stuttgart, wo Depeche Mode am Abend in der Schleyer-Halle auftreten sollten. Zu fünft im Ford Mondeo Kombi (BJ 1996!) kamen wir am frühen Nachmittag im sonnigen Stuttgart an. 
 
 
Es erwartete uns ein imposanter Neubau, die (damals) nagelneue Jugendherberge in der Hausmannstraße. Der Empfang in einem lichtdurchflutetem Foyer, auf den Zimmern ansprechendes Mobiliar und ein futuristischer Eingangsbereich über eine Brücke. Leider hatten wir nicht genug Zeit um alles auszuchecken, denn auch damals galt schon: Wer vorn stehen möchte, muss spätestens gegen 16:00 Uhr an der Halle sein. 
 

Nach einem kleinen Imbiss trafen wir wohl so gegen halb vier an der Schleyerhalle ein. Auf dem Weg dahin waren alle Tourposter mit einem Sticker versehen worden, auf dem stand: „Thank you for a sould out tour“. Die Eingangstreppen wurden schon von Fans belagert und zu unserer Überraschung gingen gerade Crewmitglieder herum und verteilten an die warteten Fans Bändchen für den FOS Bereich. Wir waren also gerade rechtzeitig zur Stelle. 
 
In der Halle suchten wir uns erst einmal einen Platz links vom Laufsteg, hatten also während der Show hauptsächlich einen guten Blick auf Martin. Der lieferte dann auch das Highlight des Abends ab. Neben „Damaged People“ bekamen wir schließlich das erste Mal auf dieser Tour „Shake The Disease“ geboten. Ein wahrlich unvergessener Augenblick!

10. März 2006, Friedrichshafen, Messe
 
Nach einem ausgiebigen Jugendherbergsfrühstück ging es also weiter zur nächsten Etappe. 200 km nach Süden an den Bodensee, Friedrichshafen. Hier hatten Depeche Mode noch nie gespielt und sollten auch nicht bei einer der folgenden Tourneen hier gastieren. Also schon von diesem Gesichtspunkt aus: historisch.
 

Das Wetter sollte sich leider drastisch verschlechtern. Aus milden Frühlingstemperaturen wurde unangenehmer Schneeregen und es wehte dazu ein kalter Wind. Das machte das Warten vor der Messehalle nicht gerade zu einem Vergnügen, es sollte in den nächsten Tagen nicht unbedingt besser werden.
 
 
Endlich in der Halle, war kurioser Weise die erste Reihe bereits komplett besetzt, damals war jedoch so etwas wie Early Entry noch nicht gebräuchlich. Eher handelte es sich wohl um eine nette Geste der ortsansässigen Ordnungskräfte, welche die Eingeborenen bereits vor dem eigentlichen Einlass bereits in die Halle gelassen hatten. 
 
Unter diesen Leuten befand sich auch ein etwa zehn jähriger Junge, vorschriftsmäßig mit Gehörschutz ausgestattet, der während des Konzertes auf der Absperrung direkt am Laufsteg stand. Dave hat ihm die Hand gereicht und alle dachten er würde ihn kurz auf die Bühne holen, was er dann doch nicht tat. Dennoch wird dem Kleinen diese Geste wohl lang in Erinnerung geblieben sein.

11. März 2006, Mannheim, SAP-Arena
 
Bereits an Tag drei stellte sich eine Art Tourroutine ein. Duschen, Frühstück, kurze Diskussion wer in der vergangenen Nacht so laut geschnarcht hat und dann ab ins Auto. Wieder 300 km Richtung Norden an den schönen deutschen Rhein.
 
 
Nach unseren beiden bisherigen Unterkünften, die beide recht modern waren, erwartete uns in Mannheim schließlich purer 70er Jahre Standard. Irgendwie alles ziemlich abgeranzt, Toilette auf dem Flur und alle möglichen Graffiti ehemaliger Besucher. 
 
Eine davon ist uns besonders aufgefallen. In fetten schwarzen Lettern hatte sich jemand mit dem Aggro Berlin Slogan „Immer schön Aggro bleiben!“ an einem der Doppelstockbetten verewigt. Hat bei uns für kurze Erheiterung geführt.
  
 
Hatten wir in Friedrichshafen schon Ärger wegen des Wetters, so war das Warten für der SAP-Arena eine regelrechte Tortur. Regen und Graupelschauer wechselten sich ab, alle vor der Halle versuchten irgendwie Schutz unter dem Dachvorsprung zu finden, der jedoch nicht wirklich gegeben war. 
 
Erstmalig auf unserer kleinen Rundreise begegneten wir schließlich bekannten Gesichtern aus Chemnitz. Marco und Olaf warteten bereits schon in der Menge, einer hatte sich wegen des Niederschlags kurzer Hand eine Plastiktüte als Kopfbedeckung zurechtgebastelt. 
 
 
Der Einlass ging an diesem Abend sehr chaotisch von statten. Im Foyer schickten die Ordner die Besucher des Innenraumes auf die Ränge. Kurz entschlossen stiegen diese dann über die Sitzreihen, um schnellst möglich in den FOS Bereich zu geraten. Auch diesmal gelang es uns wieder direkt am Laufsteg, diesmal auf der linken Seite, Position zu beziehen. Ein Standort der zu einer Art Stammplatz bei den beiden nächsten Tourneen werden sollte. 
 
 
Auch diesmal zeigte sich die Band, und besonders Dave, wieder in Bestform. Neben dem bisher ungehörten "Macro" und dem unvergleichlichen "Leave In Silence" in der Martin-Version, gab es einen besonderen Moment am Ende des Konzertes zu erleben. Die Mannheimer Fans hatten, um das schwenken der Arme zu „Never Let Me Down Again“ so richtig eindrucksvoll wirken zu lassen, Knicklichter unter dem Publikum verteilen lassen. In der Tat verstärkte der Einsatz dieser Leuchtelemente die Wirkung. Die Band zeigte sich durchaus beeindruckt, schon fast ahnend, was folgen würde. 
 

Als der letzte Akkord des Songs verklungen war, flog, begleitet durch Jubelschreie, ein Schwarm Knicklichter in Richtung Bühne. Im ersten Moment war wohl auch Dave von diesem Anblick verzaubert, bis er realisierte, dass es wohl auf der Bühne stehend, nicht ganz so ungefährlich ist, wenn hunderte Plastikstäbchen dort einschlagen. Er forderte also die Leute auf, das zu lassen. Verlor dennoch auch in dieser Situation nicht seinen Humor und deutete an, seinen Mikroständer in Richtung des Publikums zu werfen.
 
Das "Mannheim Knicklicht Massaker" beginnt ungefähr bei 1:53

Zur Tour
 
Die "Touring The Angel"-Tour stellte für Depeche Mode eine Art Neubeginn dar. Die Show wurde mehr in Richtung Rockmusik getrimmt. Auch wenn das Bühnenbild sehr futuristisch daher kam, bemühten sich die Musiker noch mehr, klassische Rockinstrumente einzusetzen. So kam bei "Suffer Well" erstmalig auch eine Bass-Gitarre zum Einsatz. Martin entwickelte zusammen mit Peter Gordeno seine von ihm vorgetragenen Songs zu Klavierballaden. Ein Trend der bis heute anhält. Es war der Startschuss für die Band, endgültig in der Champions League des Stadionrocks zu landen. 


Die Tour wurde im Sommer 2006 verlängert, wobei die Konzerte jetzt auf größeren Open-Air Spielflächen stattfanden. Noch traute man sich nicht in die ganz großen Arenen, aber das Konzept für die folgenden Spielzeiten wurde im Wesentlichen auf dieser Konzertreise entwickelt. 
 
 
Noch stellte man das aktuelle Album fast vollständig vor. Beachtliche acht Tracks schafften es in die Setlist. Darunter durchaus nicht so massentaugliche Werke wie „The Sinner In Me“! Aber Depeche Mode waren auch schon damals Meister der ganz großen Geste. Die letzte Zugabe, „Goodnight Lovers“ von Dave und Martin gemeinsam auf dem vorderen Teil des Catwalks vorgetragen, gehören zu den ganz großen Momenten der Depeche Mode Historie.  
 
(HW)
 
Alle Fotos: M.Steinbach
Die Reihenfolge der Bilder muss nicht zwangsläufig zum jeweiligen Textteil passen!
 
Schreibt uns gern oder gebt uns Feedback: dmfc.hopesandfears@gmail.com oder nutzt das Kommetarfeld
Wie erfüllen auch Autogrammwünsche und Interviewanfragen 

Dieser Beitrag ist ohne Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz entstanden!

Kommentare

  1. Was für eine geile Tour. Wahnsinn, dass das schon 20 Jahre her ist. Ist uns nicht rückzu noch das Motorschutzblech weggeflogen?

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Deinen Kommentar. Er erscheint, wenn dieser durch unsere Moderatoren geprüft wurde.

Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *